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Foto: HDW/Peter
Neumann,YPS


Der Nord- Ostsee Kanal (NOK)

Der Nord- Ostsee Kanal (NOK), im Englischen auch Kiel Canal genannt, durchquert als Seeschiffahrtsstraße Schleswig-Holstein und verbindet die Nordsee mit der Ostsee. Damit erspart der Kanal der Schiffahrt den Weg um das Skagerrak. Der Kanal wurde 1896 eröffnet und hieß bis 1948 Kaiser-Wilhelm-Kanal. Er gehört neben dem Panama und dem Suezkanal zu den großen Kanälen und ist von diesen die am meisten befahrene künstliche Seeschiffahrtsstraße der Welt.

Erste Denkansätze, einen Kanal durch Schleswig- Holsten und Südjütland zu graben, reichen über tausend Jahre zurück, nämlich als der Warenverkehr zwischen Haithabu und Nordsee auf einem zunächst 16 Km langen Landweg und über die Flüsse Treene und Eider abgewickelt wurde.

Ernsthafte Ideen, einen Kanal in Südjütland zwischen Kolding und Ribe zu bauen, entstanden ab dem Jahre 1539. Insgesamt gab es seitdem nicht weniger als 16 Pläne für Kanalprojekte. Der direkte Vorläufer des Kanals wurde dann zunächst der Eiderkanal, der von 1777 bis 1784 zwischen Kiel und Rendsburg gegraben wurde. Im Jahre 1878 legten der Hamburger Reeder Dahlström und der Wasserbauinspektor Boden einen ersten konkreten Plan für den Bau eines Kanals vor. Die Grundsteinlegung erfolgte am 3. Juni 1887 durch Kaiser Wilhelm I. Sein Enkel, Wilhelm II, konnte dann am 21.Juli 1895 den Kanal eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt war der Kanal 67 Meter breit und 9 Meter tief. Der Bau des Kanals kostete 156 Mio. Goldmark. Dabei wurden 80 Mio. Kubikmeter Erdreich von bis zu 9000 Arbeitern bewegt.

Von 1907 - 1914 wurde der Kanal zum ersten Male für 242 Mio. Goldmark weiter ausgebaut, um damit den größeren Großkampfschiffen der kaiserlichen Marine die Passage zu ermöglichen. Die Breite wurde auf 102 Meter, die Tiefe auf 11 Meter erhöht. Die Länge des Kanals zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau beträgt ca. 99 Kilometer.

Aufgrund der Sicherungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Böschungen seit 1965, hat der Kanal jetzt eine Breite von 102- 162 Metern und nach wie vor eine Tiefe von 11,0 Metern. Diese Sicherungsarbeiten sind heute abgeschlossen und kosteten den Bund über eine halbe Milliarde Euro. Aufgrund der größer werdenden Schiffe hat das Bundesverkehrsministerium 2005 die Verbreiterung des Nadelöhrs, der 11 Km langen böschungsstabilen Oststrecke des NOK beschlossen. Damit werden in einigen Jahren größere Schiffe den Kanal mit verbesserten Begegnungsmöglichkeiten befahren können.

An beiden Enden des Kanals befindet sich in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau Schleusengruppen, die den Wasserstand im Kanal gegenüber dem in der Elbe vorhandenen regelmäßigen Tidenhub und den durch Windstau hervorgerufenen unterschiedlichen Wasserstand in der Ostsee konstant halten. Die großen Schleusen von 1914 haben eine Länge von 310 Meter und eine Breite von 42 Meter. Die Schleusungszeit kann, je nach unterschiedlicher Wasserspiegelhöhe, bis zu 45 Minuten dauern.

Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge, die in sechs Verkehrsgruppen unterteilt sind, liegt für die Verkehrsgruppe sechs bei 12 km/h (6,5 Knoten) und für alle übrigen Fahrzeuge bei 15 km/h (8 Knoten). Die Einteilung der Verkehrsgruppen ist abhängig von der Länge, Breite und Tiefgang der Fahrzeuge sowie Art ihrer Ladung. Die Kosten für eine Passage werden nach der Brutto Raum Zahl (BRZ) eines Fahrzeuges berechnet. Dazu kommen noch die Gebühren für den Lotsen, denn auf dem Kanal herrscht für Fahrzeuge ab Verkehrsgruppe 2 Lotspflicht. Die Lotsen sind unabhängig und freiberuflich tätig und sind in einer Lotsenbrüderschaft zusammengeschlossen. Bei größeren Schiffen muß zusätzlich zum Lotsen ein Kanalsteurer dabei sein, der das Fahrzeug durch den Kanal steuert.

Die Verwaltung, der Betrieb und die Unterhaltung des Kanals ist dagegen Bundesangelegenheit, denn er gehört dem Bund. Dafür sind das Wasser- und Schiffahrtsamt in Brunsbüttel für die westliche Hälfte und das Wasser- und Schiffahrtsamt Kiel-Holtenau für die östliche Hälfte verantwortlich.

Das Begegnen größerer Fahrzeuge ist in der Regel nur in den dafür vorgesehenen, besonders verbreiterten Ausweichstellen, den so genannten Weichen möglich. Kleine Fahrzeuge dürfen sich ansonsten überall im Kanal begegnen. Große Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Manövriereigenschaften in dem engen Gewässer nur begrenzt aufgestoppt werden können, müssen bevorzugt durch den Kanal gelenkt werden. Auf sie müssen alle entgegenkommenden Fahrzeuge in den insgesamt 12 Weichen warten. Die technische Höchstgrenze eines Fahrzeuges für die Befahrung des Kanals liegt bei einer Länge von 235 Metern, einer Breite von 32,5 Metern, einem Tiefgang von 9,5 Metern und einer Gesamthöhe von 40 Metern.

Überqueren kann man den Kanal auf verschiedene Art und Weise. Dafür sind 8 Autobrücken, 4 Eisenbahnbrücken, 1 Autotunnel, 1 Fußgängertunnel, 1 Schwebefähre und 14 Autofähren vorhanden. Die Überfahrten sind natürlich Kostenlos.

Im Jahre 2006 passierten ca. 43.000 Fahrzeuge den Kanal. Der stärkste Schiffsverkehr findet am Wochenende statt, weil so die Reeder die Liegegebühren in den Häfen sparen können, in denen zu dieser Zeit nicht gearbeitet wird.

Im Laufe der Jahre sind gravierende Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet worden, die noch andauern. So wurde am 7.Oktober 2006 das automatische elektronische Verkehrssicherungssystem, mit einer Zentralisierung der Verkehrszentrale NOK in Brunsbüttel, eingeweiht. Diese Investitionen, die u.a. auch eine Fernüberwachung und Fernschaltung der bisher noch mit Personal besetzten Ausweichstellen beinhaltet, hat bis jetzt €13,5 Mio. gekostet.

Das Wasser im NOK ist schwach salzig, so genanntes Brackwasser. Die Einleitung von Schadstoffen von Schiffen oder von Industrieunternehmen ist verboten. Das Wasser des Kanals ist daher biologisch einwandfrei und besitzt einen großen Artenreichtum an Fischen. Für Fußgänger und Radfahrer stehen die befestigten Betriebswege der Kanalverwaltung zur Verfügung. Angler können gegen Erwerb eines Angelscheines im Kanal Fische fangen. Auch für Sportbootfahrer ist der Kanal ein beliebtes Revier. Außerdem werden Vergnügungsfahrten auf dem Kanal angeboten, die sich besonders in den Sommermonaten große Beliebtheit erfreuen. Somit hat der Kanal einen hohen Freizeitwert, der auch den am Kanal befindlichen Gemeinden zugute kommt. Aber auch einige Industriebtriebe, wie z.B. zwei Seeschiffswerften haben sich am Kanal angesiedelt. Bunkerhäfen und Häfen in Kiel, Brunsbüttel sowie in Rendsburg, der einzigen größeren Binnenstadt am Kanal, tragen mit zur wirtschaftlichen Entwicklung des Bundeslandes Schleswig-Holstein bei.


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